Das Ende von Google Reader – das sind die Alternativen

Dieser Artikel ist ein Gastartikel von , Produktmanager des Testberichteportals reviewzone.de, leidenschaftlicher Technik- und Internetfreak ,der auf dem Reviewzone-Blog über aktuelle Themen aus den Bereichen Internet, Gadgets und Apps schreibt.

Bei der Themenrecherche für den Reviewzone-Blog darf bei mir ein wichtiges Tool nicht fehlen: der Google Reader. Problem: Den gibt’s leider bald nicht mehr. Daher geht es für mich auf die Suche nach interessanten Alternativen.

Google Reader – das Ende ist nah

Flipboard

Dienste wie Flipboard: Beliebte RSS-Alternative
auf Smartphones und Tablets

Noch knapp ein Monat, dann ist die beliebteste RSS-Reader-Plattform Geschichte. Bereits im März hat Google angekündigt, neben dem Google Building Maker und Google Voice für Blackberry auch den Google Reader im Rahmen des diesjährigen digitalen Frühjahrsputzes einzustellen. Als Grund dafür gibt der kalifornische Konzern an, dass die Nutzerzahlen in letzter Zeit zurückgegangen wären.

Nun mag RSS nicht gerade die bekannteste oder spannendste Art zu sein, Nachrichten zu lesen. Gerade durch die Smartphone- und Tablet-Revolution sind viele neue Nachrichtendienste à la Flipboard aus dem Boden geschossen. Dennoch kann RSS mit Google Reader auf eine große Nutzerschaft zählen und im Laufe der Zeit ist auch auf mobilen Plattformen ein recht umfangreiches App-Ökosystem um den Dienst herum entstanden. Programme wie die auf dem iPhone, iPad und Mac beliebte Reeder.app sehen sich mit dem Ende des Dienstes vor einem ziemlich großen Problem: die Aktualisierung der Feeds und die Synchronistation zwischen verschiedenen Geräten lief bisher gänzlich über Googles Plattform. Es müssen also Alternativen her – und die sind momentan nicht gerade zahlreich.

Wenige Alternativen trotz anfänglichem Gründergeist

Nachdem Google das Ende des Readers angekündigt hatte, war das Entsetzen zuerst groß: Mehrere Petitionen wurden ins Leben gerufen und eine davon mehr als 140.000 mal unterzeichnet. Gleichzeitig flammte aber auch ein nahezu euphorischer RSS-Gründergeist auf. So kündigte beispielweise der soziale Bookmarkingdienst Digg an, eine Alternativplattform zu entwickeln. Auch Reeder-Entwickler Silvio Rizzi stellte den Support von anderen Diensten und auch das lokale Verwalten von RSS-Feeds in Aussicht und hat diesen teilweise auch bereits schon umgesetzt.

Schaut man sich aber aktuell in News-Beiträgen um, so mangelt es momentan noch an einer wirklichen Alternative. Das ist aber auch kein Wunder: Für Google-Reader gibt es aktuell dutzende von Apps auf allen großen Plattformen und sollte sich ein Dienst dem Ersatz von Google Reader verschreiben und mit all diesen kompatibel sein wollen, dann hat dies eine nicht zu unterschätzende Konsequenz: Die fehlende Möglichkeit, Werbung zu platzieren – denn Googles RSS-Reader ist gemäß der Firmenphilosophie kostenlos. Durch die große Auswahl an funktionell und designtechnisch sehr attraktiven Clients wurden Google Readers Kunden zunehmend von der mit Werbung bestückten Weboberfläche weg gelockt. Wie schon Facebook müsste das Konzept des Dienstes für die mobile Nutzung im Punkt Werbung also wohlmöglich umgedacht werden oder attraktive Premium-Funktionen bieten. Daher wundert es kaum, dass für Reeder.app mit Feedbin.me bereits eine kostenpflichtige Alternative zur Verfügung steht. Der Dienst bietet neben einem aufgeräumten und durchaus ansprechenden Web-Interface auch eine API für potentielle Clients an und kostet aktuell 2$ im Monat.

Feedly entwickelt sich zu attraktivem Reader-Ersatz

List View Feedly

Feedly Listenansicht auf dem iPhone

Wer sich auf die Suche macht, wird relativ schnell auf den kostenlosen Dienst Feedly stoßen. Feedly verspricht einen nahtlosen und einfachen Umstieg von Google-Reader und konnte nach einigen Angaben bereits in den ersten Tagen nach der Nachricht vom Ende des Google-Dienstes über 500.000 neue Nutzer gewinnen. Im Browser läuft Feedly mit einem sehr ansprechenden Interface über ein Plugin. Auch auf Android und iOS gibt es native Apps. Feedly bietet zwar auch die aus Google-Reader bekannte Listenansicht an, der Dienst ist aber insgesamt darauf aus, die Feeds im Magazinformat optisch aufgewertet darzustellen. Über eine interne Suche und redaktionell ausgewählte Quellen können außerdem recht schnell und intuitiv neue Nachrichtenquellen gefunden werden.

Reader-Puristen steht aber wie gesagt auch eine Listenansicht zur Verfügung. Und die gute Nachricht kommt zum Schluss: Bis zur endgültigen Einstellung von Googles Reader soll Feedly mit einer API namens Normandy ausgestattet werden, die Apps den kostenloses Zugriff auf die Plattform ermöglicht. Zum Start sind Reeder, Press, Nexgen Reader und Newsify und gReader dabei. Es sieht also ganz danach aus, als würde sich Feedly zur momentan einzig echten Alternative zu Googles Dienst mausern.

Blick über den Reader-Tellerrand: Eigenbau und Soziale Netzwerke

Für Bastler gibt es dann noch die sehr vielversprechende Alternative Feever, welche allerdings einen Nachteil für viele Nutzer hat: Die Plattform ist nicht gehostet – man benötigt also einen eigenen Webserver. Ist diese Hürde allerdings erst mal genommen, belohnt Fever mit einem polierten Interface, der Unterstützung vieler Clients und mit einigen sehr interessanten Features. Wie der Name schon verrät werden zum Beispiel Nachrichten auf Wunsch wie auf einem Thermometer nach ihrer Temperatur geordnet – je wärmer, desto wichtiger. Maßgebend ist hierbei, wie oft ein Artikel verlinkt wird. Hier gibt’s ein Tutorial, mit dem man Fever in angeblich nur 10 Minuten zum Laufen bringen kann.

Geht man noch einen Schritt weiter und schaut etwas über den Tellerrand hinaus, so stellt sich die Frage, ob es überhaupt ein RSS-Reader sein muss. So lassen sich Facebook und Twitter inzwischen ziemlich gut zum Lesen von Nachrichten nutzen. Richtig interessant geworden ist auch das gerade frisch überarbeitete Google+, welches sich über individuell gestaltbare, optisch und funktional sehr ansprechende Feeds (Kreise) hervorragend zum Verfolgen der Lieblingsseiten eignet. Insgesamt liegt die Alternative mit Weitblick zum Google Reader wohl auch in den sozialen Netzwerken. Hier können die Nachrichten direkt geshared, kommentiert und verschickt werden und auch als Werbeplattform sind sie wesentlich interessanter – und das auch mobil. Ist das dann düster formuliert das Ende von RSS? Kurzfristig sicherlich nicht und mittelfristig wenn überhaupt, dann wohl nur für den Endbenutzer.

Google Plus

Nach dem letzten Redesign präsentiert sich Google+ als attraktiver News-Reader

Für die Nostalgiker unter uns gibt es überigens direkt noch einen Tipp: The Old Reader verspricht, genau wie Google Reader zu sein, nur besser. Zumindest das Interface sieht schon einmal genauso aus – so kann man wenigstens optisch in den guten alten Zeiten des Internets schwelgen.

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