Mit Aktien den sinkenden Zinsen entkommen – Eine Einführung

Aktienhandel wird in letzter Zeit aufgrund der sinkenden Zinsen im Sparbereich immer interessanter. Gerade auch Leute mit nicht riesigen Vermögenswerten entdecken den Aktienhandel als Möglichkeit noch Redite überhalb der Inflation einzufahren. Ich selbst bin inzwischen seit knapp 1,5 Jahren an der Börse mehr oder weniger aktiv. Nachdem ich nun erneut von einem guten Freund auf Aktien und das ganze Drumherum angesprochen wurde, habe ich entschieden eine kleine Zusammenfassung der Möglichkeiten zu geben, die als Einstieg und grundsätzliche Themensondierung sicherlich hilfreich sein wird. Ich gehe hier bewusst nicht in die Tiefe, wer aber Lust hat mit mir genauer drüber zu sprechen, kann mich gerne kontaktieren oder einen Kommentar darlassen.

Im Grunde gibts beim „Aktienkrams“ zwei Möglichkeiten: entweder man möchte wirklich aktiv handeln, guckt dann nach Firmen die man für gut hält und verkauft sie ,im Optimalfall wenn sie gestiegen sind wieder um den Gewinn zu verwirklichen. Dieses Verfahren konkret mache ich nicht, weil es in diesem Fall einfach ein enormer Arbeitsaufwand ist. Dauernd müssen Firmen analysiert, verglichen und ausgewertet werden und man muss schon ein gewisses Stück Marktkenntnis besitzen, um eben sagen zu können ob eine Firma gut ist oder nicht. Zudem ist es eigentlich fast immer ein Ding der Unmöglichkeit einen Aktienkurs verlässlich vorherzusagen. Denn eben sagen zu können „ah die Aktie fällt ab jetzt nur noch“ oder „ah sie steigt ab jetzt“ ist einfach stark von aktuellen Entwicklungen abhängig. Selbst wenn man sich die Analysen der Broker von Banken anguckt findet man häufig zu 5 Analysten die eine Kaufempfehlung aussprechen auch wieder 5 die eine andere Meinung vertreten.
Natürlich ist dieses sogenannte Trading Modell eine Möglichkeit in kurzer Zeit extrem viel Geld zu verdienen, aber eben auch genau dieses zu verlieren.
Und weil ich als Student sowieso nur begrenzt Zeit habe jeden Tag Aktienkurse zu beobachten bzw. Nachrichten zu analysieren benutze ich dieses Modell nicht.

Eine Alternative dazu ist die sogenannte Dividendenstrategie bei dieser nutzen wir aus, das viele Firmen dafür das wir als Aktionäre beim Kauf einer Aktie der Firma Geld zur Verfügung stellen, uns dafür im Gegenzug einen Ausgleich bezahlen. Dieser Ausgleich ist die sogenannte Dividende. Das ist meistens ein Anteil des Unternehmensgewinns der dann pro Aktie ausgeschüttet wird. Bedeutet im Umkehrschluss je mehr Aktien von einer Firma die Dividenden ausschüttet wir halten desto mehr Dividenden erhalten wir. Der Vergleich mit dem Zins hinkt ein bisschen weil diese Dividenden im Gegensatz zum meistens garantierten Zins von der Bank, akut vom Unternehmenserfolg abhängig sind. Unternehmen denen es wirtschaftlich schlecht geht könnten ihre Dividende verringern oder sogar streichen!
Inzwischen hat sich rund um die Dividenden Strategie allerdings ein regelrechter Kult entwickelt der dazu geführt hat das beispielsweise Unternehmen die bereits seit 25 Jahren durchgängig eine Dividende ausgeschüttet haben als Aristokraten bezeichnet werden und dementsprechend gerne gekauft werden da das Unternehmen so also bereits seit 25 Jahren stabil läuft und die Wahrscheinlichkeit das es weitere 10 Jahre gut läuft höher ist als bei einem neuen Startup.

Nun ist es auch hier natürlich ein Aufwand eine Analyse der einzelnen Unternehmen zu machen, allerdings ist hier ein deutlich längerer Horizont von Interesse. Bei der Dividendenstrategie geht man meistens von einem Anlagehorizont von mindestens 5-10 Jahren aus. Abzusehen ob ein Unternehmen in 5-10 Jahren noch gut funktioniert geht aber schon ein wenig besser als das für kürzere Abstände möglich wäre.

Einer der wichtigsten Eckpunkte im Aktienhandel ist jedoch Diversifizierung das heißt, nicht nur alles Geld in eine Sache/Aktie stecken sondernso breit wie möglich streuen. Das Ergebnis von einem solchen Vorgehen ist, dass falls mal eine Firma pleite gehen sollte (ein Risiko besteht immer) der Verlust ebenfalls begrenzt ist.
Es gilt also im Optimalfall sowohl in Branchen als auch in Länder so weit es geht zu streuen.

Hier spielt der Faktor Kosten langsam jedoch auch eine große Rolle, jede Transaktion an einer Börse über eine Bank kostet Geld, das ist meistens je nach Bank, Börse und vorallem Volumen (wie viele Aktien werden gekauft? ) unterschiedlich. Typisch ist aber derzeit so ein Mindestpreis von ca. 10€ pro Transaktion bis 1000€ Transaktionsvolumen.

Würde man nun Aktien für beispielsweise 100€ kaufen, bezahlt man meistens dennoch 10€ Gebühren und hätte so eine Kostenquote von 10%. Hier würden die Gebühren jeglichen Gewinn schnell auffressen!
Allgemein versucht man immer ein Preis / Kosten Verhältnis von 1% zu erlangen, was jedoch erst bei mindestens 1000€ pro Wert möglich wird. Bei einem geringen Vermögen unter 10k wird so eine angemessenen Diversifizierung schwierig.

Um das Problem zu umgehen gibt es eben sogenannte Fonds, das sind meistens von Banken oder speziellen Firmen auferlegte Geldtöpfe die dann das gesamte eingezahlte Geld in verschiedenste Aktien stecken. Dabei gibt es verschiedenste Fonds vom normalen Europa-Raum bis zu ausschließlich Unternehmen zur Wasserversorgung. Diese Firmen stellen dafür Leute ein, die dann diese Analysen durchführen und dann entscheide wie man am besten das Fondsvermögen investieren kann. Das führt zwangsläufig zu Kosten, die die Fondsgesellschaft direkt vom Gewinn entnimmt. Bei diesen sogenannten aktiv gemanagten Fonds ist eine Kostenquote (TER) von 1,5 – 2% typisch. Diese Kennzahl beschreibt alle anfallenden Kosten die der Aktionär bezahlen muss, typischerweise sind die jedoch immer in den Kurs eingerechnet, sodass nicht irgendwann eine Abbuchung kommt.
Mit der Zeit entstanden dann sogenannte ETFs, dass sind passiv gemanagete Fonds bei denen keine eigenen Fondsmanager eingesetzt werden sondern die die Entwicklung eines Aktienindices wie beispielsweise den DAX als Grundlage nutzen und automatisch exakt die Werte kaufen die in diesem Index vertreten wird. Das schlägt sich durch den verringerten Aufwand auch in der Kostenquote nieder, wobei typische ETFs oft bei 0,3 – 0,9 % liegen.
Ein Problem von diesen Fonds und ETFs ist zwar, das die Aktien nicht vom Anleger direkt gehalten werden, somit auch beispielsweise keine Berechtigung besteht zur Hauptversammlung einer Firma zu gehen. Der große und definitiv überwiegende Vorteil ist jedoch, das durch die niedrigen Kosten schon mit geringen Kapital eine Diversifizierung erreicht werden kann, die eine Pleite auch übersteht ohne jegliches Kapital zu verlieren. Viele Banken bieten sogar kostenlose Sparpläne an, wodurch jeden Monat Anteile eines ETFs für einen gewissen Betrag gekauft werden können ohne Transaktionsgebühren zu bezahlen.

Auch ich investiere derzeit ausschließlich in ETFs aus dem Europäischen und amerikanischen Raum, so kann ich fast die gesamte Welt abdecken und am Wirtschaftswachstum teilnehmen ohne zu befürchten das mein gesamtes Kapital morgen verloren ist.

Insgesamt zeigt sich denke ich, dass das Thema deutlich umfangreicher ist als gedacht. Dennoch lässt sich relativ leicht in den Aktienhandel einsteigen, auch ohne direkt 20k zu investieren. Falls ihr Rückfragen habt oder Schwierigkeiten beim Verständnis hattet meldet euch!

Dieser Text soll lediglich eine kurze Einführung in das komplexe Thema Aktien sein. Um einen tieferen Einblick zu erlangen empfehle ich das Buch: „Cool bleiben und Dividenden kassieren: Mit Aktien raus aus der Nullzins-Falle“ von von Christian W. Röhl und Werner H. Heussinger welches auch mir sehr geholfen hat. Oder auch die sehr gut organisierte Facebook Gruppe „Dividendenstrategie​“.

Das ganze hier stellt selbstverständlich keine Finanzberatung oder Kaufempfehlung dar. Aktienhandel ist risikoreich und kann zum kompletten Verlust des eingesetzten Vermögens führen. Deshalb gilt immer der oberste Grundsatz: Investiere nur das was du entbehren kannst. Wichtig ist auch immer ein gutes Finanzpolster direkt verfügbar zu haben um auch unvorhergesehene Ausgaben abfedern zu können.

Ich bin Kevin, und schreibe hier über Themen die sich von CSS über Designs bis zur testgetriebenen Entwicklung mit PHP erstrecken. Ich arbeite in einer kleinen Firma als PHP-Entwickler und entwickle dort PHP Backends für verschiedene Projekte vorallem mit Laravel. Privat betreibe ich noch diesen Blog und notesafe.

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